Geschichte

 

Geschichtsunterricht am Goethe-Gymnasium ist ein Unterricht, der modern und anschaulich das Interesse der Schülerinnen und Schüler an Geschichte wecken will, der sie anregt, Fragen zu stellen, zu forschen und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Die Vermittlung von methodischen und Urteilskompetenzen ist vorrangiges Ziel des Unterrichts. Die Teilnahme an Wettbewerben wird gefördert.

Geschichtswettbewerb

Ezgi Keklikci, Marlon Ledel, Sören Metzdorf und Sophia Thomas mit ihrer Lehrerin Christine Göbel bei der Preisverleihung Alle zwei Jahre findet der renommierte Geschichtswettbewerb unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten statt. Beim Wettbewerb zum Thema „Skandale in der Geschichte“ gewannen 2011 vier Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums, Ezgi Keklikci, Marlon Ledel, Sören Metzdorf und Sophia Thomas aus der damaligen 8c, einen Förderpreis mit ihrem Beitrag „Der Stoltzenberg-Skandal 1979 – Muss immer erst etwas passieren, damit etwas passiert?“. Ihre Geschichtslehrerin Christine Göbel hat sie bei diesem anspruchsvollen Forschungsprojekt begleitet. Damit hat das Goethe-Gymnasium schon zum dritten Mal innerhalb der letzten Jahre einen Förderpreis errungen. Vielleicht gelingt es uns ja beim nächsten Wettbewerb 2013 unter die Landespreisträger zu kommen.

Geschichte wird lebendig

Wie kann sich ein Sechstklässler in das entbehrungsreiche Leben eines Steinzeitmenschen hineinversetzen? Er mahlt zwischen zwei Steinen selber Mehl und backt daraus Brötchen. Oder er baut sich bei Regen einen Unterschlupf aus Fellen.

Wie bekommt ein Siebtklässler eine Vorstellung davon, wie Bauern im Mittelalter gelebt haben? Er probiert mit Honig gesüßte Buchweizengrütze. Oder er schlüpft in die Rolle eines Bauern und bittet den Grundherrn um Erlaubnis, zu heiraten. Wie versteht ein Achtklässler, was eine Manufaktur ist und welche Veränderungen sie für die Menschen bedeutet hat? Er erlebt bei einem Wettkampf mit seinen Mitschülern, dass in Arbeitsteilung  Waren schneller hergestellt werden können, die Arbeit aber eintöniger wird.Sally Perel (Hitlerjunge Salomon) mit Goethe-Schülerinnen

Auch für ältere Schülerinnen und Schüler gibt es – neben der Arbeit mit Text-, Bild- und Tonquellen – vielfältige Möglichkeiten, Geschichte lebendig werden zu lassen. Hierzu zählen Exkursionen zu Orten in Hamburg, in denen deutsche Kolonialgeschichte greifbar wird, oder zum ehemaligen KZ Neuengamme ebenso wie Gespräche mit Zeitzeugen.

Geschichte in der Beobachtungs- und Mittelstufe

Die drei zentralen Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht erwerben sollen, sind: Orientierungskompetenz, Methodenkompetenz und Urteilskompetenz.

Das Fach Geschichte wird am Goethe-Gymnasium verbindlich von der 6. bis zur 10. Klasse mit zwei Stunden pro Woche unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich zunächst chronologisch Grundzüge der Geschichte von der Steinzeit bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert. Neben politischen werden auch wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklungen behandelt. Auf diese Weise lernen die Schülerinnen und Schüler, sich in der Zeit zu orientieren.

In Epochen übergreifenden Längsschnitten arbeiten sie darüber hinaus zu grundsätzlichen und bis heute relevanten Fragestellungen, wie z.B.: Warum führen Menschen gegeneinander Krieg? Warum verlassen Menschen ihre Heimat?

Daneben schult der Geschichtsunterricht am Goethe-Gymnasium gezielt und systematisch die  Methodenkompetenzen. Die Schülerinnen und Schüler forschen selbst: Sie entwickeln eigene Fragestellungen und suchen selbstständig Antworten auf ihre Fragen. Im Mittelpunkt steht dabei die Beschäftigung mit Originalquellen. Originaltexte, Bild- oder Tondokumente untersuchen sie daraufhin, was sie uns über das Leben der Menschen ‚erzählen’. Gleichzeitig üben sie sich darin, zu überprüfen, ob das, was die Quelle ‚erzählt’, der Wahrheit entspricht. Auf diese Weise lernen sie, dass Geschichte nicht einfach ‚ist’, sondern von Menschen konstruiert wird. Insbesondere bei den Längsschnitten lernen die Schülerinnen und Schüler, systematisch zu recherchieren und überzeugend zu präsentieren: Eigenständig tragen sie Informationen zusammen – zunächst aus dem Schulbuch, später auch aus der schuleigenen Bibliothek mit ihrem reichen Geschichtsbestand und aus dem Internet. Sie entwickeln Kriterien, um  glaubwürdige von wenig glaubwürdigen Informationsquellen zu unterscheiden. Ihre Ergebnisse stellen sie auf Lernplakaten, am Overhead-Projektor und später mit einem Präsentationsprogramm vor.

Damit das Wissen über frühere Zeiten für die Schülerinnen und Schüler persönlich relevant wird, lernen sie, sich eine eigene, begründete Meinung zu geschichtlichen Entwicklungen und Ereignissen zu bilden. Diese Urteilskompetenz wird am Goethe-Gymnasium schon ab der 6. Klasse geschult: Welche Vor- und Nachteile hatte das Leben als Ackerbauer und Viehzüchter gegenüber dem eines Sammlers und Jägers? War die Art und Weise, wie im antiken Griechenland Entscheidungen getroffen wurden, gerecht – verglichen z.B. mit dem alten Ägypten, verglichen aber auch mit dem, was wir heute für gerecht halten? Was ist eigentlich ein Staat und wie kann er am besten organisiert werden? Welche Vorteile und welche Probleme brachte die Industrialisierung mit sich? Wer trug die Schuld am Erstarken des Nationalsozialismus? Das sind nur einige der vielen Fragen, die im Geschichtsunterricht diskutiert werden.

Geschichte in der Oberstufe

Stärker noch als in der Mittelstufe wird in der Oberstufe wissenschaftspropädeutisch gearbeitet mit den zentralen Bausteinen: Fragestellungen entwickeln, recherchieren, Quellen analysieren und interpretieren,  beurteilen, präsentieren. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich auch  komplexere Fragestellungen eigenständig. Darüber hinaus üben sie sich darin, zu untersuchen, aus welcher Perspektive ein Text verfasst ist: Wie z. B. beurteilen unterschiedliche Sachtexte die Entdeckung und Eroberung Lateinamerikas? Wie haben Kritiker und Befürworter der Nürnberger Prozesse ihre Position begründet?  Mehr noch als in der Mittelstufe entwickeln die Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe eigene Positionen zu historischen Entwicklungen und Entscheidungen.

Geschichte als Wahlkurs außerhalb des Profils

In der Oberstufe können die Schülerinnen und Schüler Geschichte als zweistündiges Fach außerhalb der Profile wählen.

Hier konzentriert sich der Unterricht, ähnlich wie bei den Längsschnitten der Mittelstufe, pro Semester jeweils auf ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema, das anhand einer oder mehrerer Epochen untersucht wird. Am Goethe-Gymnasium hat die Fachkonferenz folgende Festlegungen getroffen:

 

 

Thema:

Macht und Herrschaft in der europäischen Geschichte

Thema: Modernisierung in  Wirtschaft und Gesellschaft

Thema:

Staat und Nation in der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts

Thema:

Lebenswelten und Weltbilder in verschiedenen Kulturen

Epoche:

Frühe Neuzeit
(15. –18. Jh.)

 

 

 

 

Kolonialismus

Epoche:

Das „lange“ 19. Jahrhundert

 

 

Industrielle Revolution

 

 

 

 

 

 

 

Schwerpunkt:

Deutsche Teilung / Europäische Integration

 

Epoche:

Das „kurze“ 20. Jahrhundert:
Die Zeit bis 1945

 

NS-Diktatur /
Russische Revolution/
Stalinismus

 

 

 

Epoche:

Das „kurze“ 20. Jahrhundert:
Die Zeit nach 1945

 

 

 

Geschichte als Begleitfach im Profil KlangWeltBild

Geschichte ist als zweistündiges Fach im Profil KlangWeltBild verankert. Die Schülerinnen und Schüler wählen alternativ Musik oder Kunst als Profil gebendes Fach und belegen dann alle gemeinsam die Kurse Geschichte, Philosophie und das Seminar.

Die Semester im Profil stehen unter den folgenden Themen: ›Was ist Schönheit?‹ (S1), ›Welt im Umbruch – Aufbruch in die Moderne‹ (S2), ›Liebe, Eros, Begehren – und Tod‹ (S3) und ›Rasender Stillstand‹ (S4).

Im Geschichtsunterricht erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler einerseits den historischen Hintergrund der Entwicklungen, die in der Kunst und in der Musik stattgefunden haben. Dabei treten die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Kunst und Musik sich entwickeln, hervor.

Darüber hinaus nähert sich der Geschichtsunterricht, ausgehend von den Kategorien ›Macht und Herrschaft‹, ›Moderne‹, ›Nation‹ und ›Kulturkontakt‹,  den Semesterthemen aus spezifisch historischer Perspektive: Wie wirkten politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedingungen und Machtverhältnisse auf Vorstellungen von Schönheit? Wie inszenierten Herrschende mit ästhetischen Mitteln ihre Macht und wie wurden Kleidung, Kunst und Musik zum Mittel politischen Widerstandes? Wie hat sich die Gesellschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert modernisiert und wie spiegelte sich diese Modernisierung in der Kunst und Kultur? Welchen Einfluss nahmen Staat und Gesellschaft im Laufe der Geschichte auf das Liebesleben zwischen Menschen und wie wurden Liebe und Ehe im Interesse der Nation, insbesondere im Nationalsozialismus, instrumentalisiert? Wie sind Kulturen im 20. Jahrhundert aufeinandergeprallt und welche Rolle spielte bei diesem Aufeinanderprallen die Kategorie ›Geschwindigkeit‹?

Insgesamt bietet der Geschichtsunterricht im Profil eine Plattform für einen intensiven fächerübergreifenden Austausch.