Pädagogik (Lernfeld)

 

VertrauenTrotz der deutlichen Zunahme von Erziehungs- und Sozialisationsdefiziten in unserer Gesellschaft wird das Fach „Pädagogik“ an allgemeinbildenden Schulen eher selten angeboten. Das Goethe-Gymnasium hingegen ist von der Notwendigkeit des Faches überzeugt, da es als Bestandteil der Allgemeinbildung und zugleich als Qualifizierung für eigenes späteres Erziehen ebenso wichtig ist, wie als Möglichkeit ‚Social skills’ für berufliche und wirtschaftliche Bereiche zu vermitteln und nicht zuletzt sich in diesem psychosozialen Berufsfeld orientieren zu können.

Im Grundsatz angeboten wird zunächst einmal ein Fach, das die Schüler durch die Reflexion Miteinanderpädagogischer Grundprobleme bei der Aufarbeitung ihrer eigenen Erziehung und bei der Suche nach Orientierung in einer immer unverbindlicher werdenden Welt unterstützen kann. Im Rahmen dieser Unterstützung wird zugleich ein solides Fundament an Kenntnissen, Fähigkeiten und Einstellungen für die Wahrnehmung künftiger Erziehungsaufgaben durch die Schüler gelegt. Schritt für Schritt erfüllt der wissenschaftspropädeutische Pädagogik-Unterricht in der gymnasialen Oberstufe aber auch die Aufgabe, die Schülerinnen und Schüler auf wissenschaftliche Studien an Hochschulen und auf anspruchsvolle Berufe vorzubereiten.

Inhalte des Pädagogikunterrichtes

Im  Mittelpunkt des Pädagogikunterrichtes stehen beispielhaft die folgenden Fragestellungen: Warum ist es wichtig, sich mit pädagogischen Sachverhalten auseinanderzusetzen? Wie eignen sich Menschen ihre Welt an und wie kann dies für die Persönlichkeitsentwicklung pädagogisch gefördert werden? ErlebnispädagogikWas brauchen Kinder, um sich physisch, psychisch und sozial stabil zu entwickeln, und wie kann dies pädagogisch gefördert werden? Warum verlaufen im Jugend- und Erwachsenenalter Entwicklung und Sozialisation oft krisenhaft und wie kann Pädagogik hier präventiv und intervenierend eingreifen? Wie müssen staatliche und gesellschaftliche Institutionen der Zukunft gestaltet sein?

Gegenstand der Reflexion sind dabei nicht nur theoretische Texte, sondern vor allen Dingen auch praktische Erfahrungen der SchülerInnen in pädagogischen Prozessen wie Betreuung und Beaufsichtigung von Jüngeren, Hilfestellung bei Lernschwierigkeiten oder eigenverantwortliches Unterrichten in Kleinstgruppen. Methoden dazu sind Coaching- und supervisionsähnliche Verfahren.

Ziele des Pädagogikunterrichtes

Der Unterricht im Fach „Pädagogik“ thematisiert grundlegende Lern- und Entwicklungsprozesse und unterstützt Einsichten zum Verständnis fremder Denk- und Lebenswelten. Er fördert die Bereitschaft zu einer Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Erscheinungsformen menschlichen Verhaltens. Angeboten werden Begriffe und Modelle, um das Verhalten von Individuen und Gruppen zu verstehen. Der Unterricht trägt damit zum besseren Selbst- und Fremdverständnis bei und damit letztendlich zu einem bewussteren Umgang mit sich selbst und anderen. Die SchülerInnen setzen sich im Unterricht mit wichtigen Erziehungstheorien auseinander und werden zu einem kritischen Vergleich mit Alltagstheorien angeleitet. Dadurch wird das Bewusstsein für die eigene Lernbiografie und Erziehungsgeschichte gefördert. Thematisiert wird die methodische Vorgehensweise der Erziehungswissenschaft, dabei werden zugleich wesentliche methodische Kompetenzen vermittelt, wie sie sich folgerichtig aus den Unterrichtsthemen ergeben (z.B. „Das Lernen lernen“).

Die Entwicklung junger Menschen zu dialogfähigen und wertebewussten Menschen, die bereit sind, ihre Einstellung und ihr Handeln zu reflektieren und Verantwortung für sich und die Umwelt zu übernehmen – das ist das übergeordnete Ziel des Pädagogikunterrichtes am Goethe-Gymnasium.

Organisation des Lernfelds »Pädagogik«

Eine schulinterne engagierte Entwicklungsarbeit für das Fach »Pädagogik« hat im Laufe der vergangenen Jahre erreicht, dass das Goethe-Gymnasium nicht nur einfach das »Unterrichtsfach Pädagogik« anbieten kann, sondern dass sich bei den Heranwachsenden ein außergewöhnlich breites »Lernfeld Pädagogik« größter Beliebtheit erfreut.

Die Teilnahme an diesem Lernfeld kann maximal bis zu vier Jahre – von der 9. Klasse an bis zum Abitur – umfassen, kann aber nach jedem Abschnitt auch beendet werden und ist auch für »Seiteneinsteiger« offen.

In einem einjährigen Projekt werden SchülerInnen der 9. Klassen zu so genannten »Prefects« ausgebildet, die sich während ihrer Pausen um die Sorgen und Probleme der jüngeren Mitschüler kümmern. Sie helfen ihnen dabei, Streit gemeinsam und ohne Lehrer zu lösen. Die Ausbildung wird von zwei Lehrkräften, darunter auch einer Beratungslehrerin, durchgeführt und die Arbeit der Heranwachsenden wird in einer wöchentlichen Supervisionsrunde begleitet. Dieser Kurs wird auf die Belegauflagen des Wahlbereichs im Ganztagsunterricht angerechnet. Selbiges gilt auch für die aktive Verantwortungsübernahme als »Prefect« im Jahrgang 10.

Im 10. Jahrgang können die SchülerInnen im Rahmen des Wahlpflichtangebotes das Fach „Pädagogik“ als Kurs wählen. Der Unterricht bereitet auf die praktische Arbeit in der Studienstufe vor. Im Mittelpunkt stehen alltagsnahe pädagogische Situationen, die für die Heranwachsenden erfahrbar sind bzw. waren. Der Unterricht bezieht die vielfältigen Lebens- und Erfahrungswelten mit ein und berücksichtigt die unterschiedlichsten Zugangs- und Betrachtungsweisen junger Menschen, auch die unterschiedliche ethnische, kulturelle, soziale und religiöse Herkunft.

Im 11. Jahrgang haben die jungen Menschen die Gelegenheit, sich in einer einmaligen Verknüpfung von theoretischer Unterweisung und eigenem, verantwortlichen Tun besonders zu qualifizieren und zu erproben.

  • Im Rahmen des Sportprofils belegen die SchülerInnen einen Pädagogikkurs, der sie dazu befähigt, aber auch verpflichtet, mindestens eine Stunde zusätzlich pro Woche für SchülerInnen der auf dem gleichen Schulgelände befindlichen Grundschule Langbargheide Förderunterricht zu geben oder dort Vorschulschüler zu betreuen. Dies erfolgt im Einzel-, z.T. auch Kleingruppenunterricht zur Förderung insbesondere von Kindern mit Migrationshintergrund beim Erlernen der deutschen Sprache in Wort und Schrift, allerdings auch in anderen Sachbereichen. Die fachliche Einweisung erfolgt durch die Lehrkräfte der Schule Langbargheide. Die zusätzliche Tätigkeit der SchülerInnen wird bezahlt, die Finanzierung hat die Philip-Breuel-Stiftung übernommen.
  • Ebenfalls im Rahmen des Sportprofils betreuen Oberstufenschüler die Kinder der Beobachtungsstufe in ihrer Mittagspause. Angeboten werden bewegungsfördernde In- und Outdoor-Aktivitäten.
  • Außerdem hat das Goethe-Gymnasium seit mehreren Jahren einen frei wählbaren zweistündigen Pädagogik-Kurs eingerichtet, der die SchülerInnen der Oberstufe dazu befähigt, theoretisch wie praktisch in das Lernfeld Pädagogik einzutauchen. Einige SchülerInnen dieses Kurses leiten gegen Entgelt kleine Fördergruppen der Beobachtungsstufe unserer Schule in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch.
  • Außerschulische Lernorte spielen im Fach Pädagogik eine große Rolle: Der Besuch von Workshops der Veranstaltung »Psychatrie macht Schule« am Universitätsklinikum Eppendorf sowie die Auseinandersetzung mit der Betreuung behinderter Menschen bei der Stiftung Alsterdorf sind zu festen Größen im schulinternen Pädagogik-Curriculum geworden.

Die SchülerInnen des zehnten Jahrganges, die das Wahlpflichtfach »Pädagogik« gewählt haben und in der Oberstufe weiterhin über vier Semester einen Kurs belegen, haben die Möglichkeit im Rahmen einer Präsentationsprüfung ihr Abitur im Fach »Pädagogik« abzulegen. Das ist auch für das Goethe-Gymnasium eine innovative Bereicherung der Abitur-Fächervielfalt, die Freude bereitet.

Aufgrund der Konzentration auf alltagsnahe pädagogische Situationen ist eine persönliche Betroffenheit der Heranwachsenden im »Lernfeld Pädagogik« häufig gegeben. Diese Nähe zum persönlichen Erleben ist eine große Chance für die SchülerInnen, unmittelbaren Nutzen für das eigene Leben aus diesem Fach zu ziehen. Da die Grenze zum vertraulichen Bereich der SchülerInnen im Lernfeld »Pädagogik« oftmals überschritten wird und sowohl die Kursteilnehmer als auch die unterrichtenden Lehrer mit vertraulichen Informationen umgehen müssen und viel Fingerspitzengefühl erforderlich ist, wurde am Goethe-Gymnasium eine Supervisionsgruppe für die unterrichtenden Kollegen eingerichtet.