Mai 032018
 

 

Freitag, den 27. April 2018: Wir hatten wir die Ehre und das Vergnügen, zwei besondere Gäste bei uns am Goethe willkommen heißen zu dürfen. Frau Marianne Wilke war gemeinsam mit ihrem Mann bei uns zu Besuch, um als Zeitzeugin über ihre Jugend unter dem NS-Regime zu berichten und mit den Schülerinnen und Schülern der 8. und 10. Klassen unserer Schule ins Gespräch zu kommen.

Frau Wilke erzählte zunächst aus ihrem Leben und darüber, was es bedeutete, als Tochter einer „deutschen“ Mutter und eines „jüdischen“ Vaters im Hamburg der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts aufzuwachsen. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren auf diese Weise viel über das furchtbare Leid, das damals im Namen der „Reichsdeutschen“ ihren „nicht-arischen“ Mitbürgern angetan wurde und schließlich in der Ermordung eines großen Teils von Frau Wilkes väterlicher Verwandtschaft gemeinsam mit Millionen anderen europäischen Juden in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten endete.

Frau Wilke konnte allerdings auch von vereinzelten Beispielen des Anstands und der Courage ihrer damaligen Mitmenschen berichten wie z.B einer Lehrerin, die ihre „halb-jüdische“ Herkunft vor offiziellen Stellen verschleierte oder stillen Zeichen der Solidarität, wenn Nachbarn der Familie Lebensmittel zukommen ließen. Gerade diese Erfahrungen, so betonte sie, sind bis heute für sie eine Quelle, aus der sie Kraft und Zuversicht schöpft. Kraft, sich selber unermüdlich gemeinsam mit ihrem liebevollen Mann für Solidarität und Verständigung unter Menschen einzusetzen und Zuversicht, dass sich eben diese Menschlichkeit in Zukunft in unserer Gesellschaft als stärker erweisen möge als die Versuchung, vermeintlich „Andere“, sei es aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Sexualität, abzulehnen und auszugrenzen.

Der Besuch von Frau Wilke und ihrem Mann hat sehr viele, wenn nicht alle, der Anwesenden berührt, bewegt und auf vielfältige Weise zum Nachdenken gebracht und hierfür möchten wir an diese Stelle als Schule nochmals unseren großen Dank zum Ausdruck bringen.