Mai 142018
 

Foto: Dietrich Helling

Donnerstag, den 3. Mai 2018: Wäre es mit rechten Dingen zugegangen, läge Hamburg an der Moldau. Denn in Tschechien mündet die Elbe als eher kleiner Nebenfluss in die deutlich größere Moldau, erklärt dieser beim Rendezvous aber ganz frech: „Ab jetzt heißt du Elbe“, und übernimmt fortan das Kommando. Die derart überrumpelte Moldau hat sich allerdings mehr als schadlos gehalten, indem sie den tschechischen Komponisten Bedřich Smetana zu einem der schönsten und populärsten Orchesterwerke der Musikgeschichte inspirierte. Dessen Vltava (dt. Die Moldau) ist ganz großes Kino für die Ohren. In sattem Cinemascope wird geschildert, wie der Fluss anfangs als Rinnsal lustig durch die
böhmischen Wälder gluckert, dann schäumend über Stromschnellen tost, im schönsten Mondschein durch stille Wiesen mäandert und schließlich zum breiten Strom anschwillt.
Musikalisch sieht die Elbe dagegen ziemlich reizlos aus. Wenigstens hat sie jetzt eine eigene Philharmonie.
Es hat sich herumgesprochen in Lurup, dass man stets Besonderes erwarten darf, wenn das Orchester des Goethe-Gymnasiums zum großen Konzert einlädt. Das Publikum
im vollbesetzten Forum der Schule genoss sicht- und hörbar das besonders abwechslungsreiche Programm und vor allem die erfreulich hohe Qualität der Darbietungen.
Unter der Leitung von Astrid Demattia schwelgte das über fünfzigköpfige Orchester mit Wonne in den tänzerischen Melodien von Smetanas Greatest Hit und schuf mit
dieser musikantischen, farbenfrohen und rhythmisch trittsicheren Wiedergabe ein Klangpanorama, das manchen auf dem Nachhauseweg lange nachgeklungen haben dürfte.
Die knapp vierzig Streicher des Orchesters konnten aber nicht nur pastorale Landschaftsschilderung, sie beherrschten auch die hohe Schule der Suspense: bei der äußerst lustvollen Interpretation von Adeles Skyfall-Titelsong hätte man sich am liebsten wie James Bond an der (nicht vorhandenen) Bar einen Wodka Martini bestellt – natürlich geschüttelt, nicht gerührt.
Im Konzert für Klavier und Orchester von Johann Nepomuk Hummel, einem ebenso kuriosen wie virtuosen musikalischen Wettstreit darüber, wem der Vortritt gebührt, dem Soloinstrument oder dem begleitenden Orchester, legte das Ensemble mit Platzhirschgehabe los, als müsste es zeigen, wo der Hammer hängt, ehe es mit einer leichten Verbeugung charmant zur Seite trat und der fabelhaften Pianistin Elisa Polukarov den großen Auftritt überließ. Die Solistin bedankte sich für diese galante Geste mit einer Elegie von Sergej Rachmaninoff, mit großem beseeltem Herzenston auf dem Steinway- Flügel mehr gesungen als einfach nur fingerfertig gespielt.
Überhaupt kamen die Liebhaber großer Klaviermusik in diesem Konzert voll auf ihre Kosten: Christian Wizke hatte sich ein richtiges Sahnestück aufs Notenpult gelegt, nämlich
Chopins g-Moll-Ballade op. 23, deren haarsträubende spieltechnische Anforderungen er mit cooler Geläufigkeit bewundernswert souverän meisterte.
Außerdem hatten die Konzertplaner drei ganz besondere Perlen ins Programm gemischt:
Charlotte Gera, Josefine Pippi und Nils Michalke sangen auf ihren Violinen, begleitet von Klara-Josefine Jakob (Cello) und Bettina Hamdorf (Klavier), den unverwüstlichen Kanon von Johann Pachelbel; eine von Bijan Ghezelbash angeleitete Gitarrengruppe brachte eine zauberhafte Reminiscence des Tangokönigs Astor Piazzolla zu Gehör; und ein Dutzend Bläser, unterstützt von Noah Dias Fernandes (Klavier), Lisa Kielstein (Kontrabass) und Christan Vogts (Schlagzeug), spielte, nein: tanzte unter der Leitung von Yasmin Vogts mit hinreißendem Schwung ein Medley aus dem Film La La Land.
Da bleibt nur eins: Chapeau!