Jun 112018
 

4./ 5. und 7. Juni 2018:

Das Versprechen, das dem Publikum am Ende der Revue-Aufführung am Goethe-Gymnasium gegeben wird, ist zu diesem Zeitpunkt längst eingelöst. Oder, besser gesagt: die Aufführung ist nichts weniger als die mitreißende Einlösung dieses Versprechens.
We will entertain you wird da sehr schlitzohrig angekündigt, als ob der knapp hundertköpfige Große Chor, der Kammerchor, die Gesangssolisten Deepkamal Kaur und Conny Hackenberg, das Duo Joel Gransow & Fynn Voss, die vierköpfige Band und gut zwei Dutzend Schauspielerinnen und Schauspieler in den vorausgehenden zwei Stunden etwas anderes getan hätten als genau das: ihr Publikum glänzend unterhalten. Mit einer überschäumenden Interpretation von Robbie Williams’ Let Me Entertain You setzt der Große Chor dann noch ein dickes Ausrufezeichen dahinter. Clever ist das auf jeden Fall: etwas versprechen, was man schon gehalten hat, ist nicht nur risikolos, es kommt auch noch bestens an.
Glotz doch! – die rustikale Einladung bereitete das Publikum ohne Umschweife darauf vor, dass es bei dem lustigen Ausflug in die Fernsehlandschaft auch mal über Stock und Stein gehen konnte. Der mit großen Gesten und noch größeren Tönen ausgefochtene Kampf um Einschaltquoten wurde dabei genauso amüsant auf die Schippe genommen wie der eklatante Mangel an Phantasie, der schließlich auch im richtigen TV-Leben zu den immergleichen Wiederholungen im Programm führt. Den einen oder anderen Zuschauer hat vielleicht gar eine leise Ahnung beschlichen, dass es womöglich Besseres im Leben geben könnte, als den Tag vor der Glotze zu verbringen.
Regisseur Martin Westhof inszenierte die unterschiedlichen Stationen dieser Reise – das ging von der Quizshow über die Kochshow bis zum Fernsehkrimi und zur Herzblatt-Telenovela – mit einem sehr wachen Gespür für Situationskomik, mit
durchaus auch mal schlagkräftigem Humor und einer gut dosierten Prise Spott. Und die Schauspieler erfüllten seine pfiffigen Ideen mit prallem und gleichzeitig sehr augenzwinkerndem Bühnenleben.
Die Revue-Macher um die Chorleiterin Astrid Demattia waren auch dieses Jahr wieder sehr einfallsreich darin, einen üppigen bunten Strauß aus witzigen Spielszenen und dazu passender Musik (oder umgekehrt) zu binden – das Herzstück, der Taktgeber dieser Revue war aber selbstverständlich das, was man als Unterhaltungsmusik im besten Sinne des Wortes bezeichnen kann. Der Große Chor heizte dem Publikum gleich zu Beginn mit einem flott und frech vorgetragenen Hit The Road, Jack ordentlich ein, lief bei Surfin’ USA zu ausgelassener Hochform auf und nahm die Aufforderung Let’s Get Loud lautstark beim Wort. Der dreißigköpfige Kammerchor führte bei den köstlichen Evergreens Ich will keine Schokolade und Kriminaltango die klanglich etwas feinere Klinge, was zu diesen Kabinettstückchen musikalischen Humors natürlich so haargenau passte wie das sprichwörtliche Tüpfelchen aufs I. Und dass man zu Letzterem ein in Rot und Schwarz gehülltes Paar (Menja Gundlach und Leonardo Vicente Fernandes) formvollendet Tango tanzen ließ, war für eine Revue am Goethe-Gymnasium fast schon eine Selbstverständlichkeit.
Es waren zwei sehr kurzweilige Stunden, in denen die Gesangsensembles einmal mehr ihre Präzision und ihre musikalische Vielseitigkeit unter Beweis stellten. Und darüber hinaus bei den zahllosen Kostümwechseln eine beeindruckende artistische Rasanz an den Tag legten. Hat wieder richtig Spaß gemacht!