Ganztagsschule

 

Die Mehrzweckhalle

1. Was unterscheidet das Ganztagsschulkonzept des Goethe-Gymnasiums von den anderen Gymnasien in Hamburg?

Alle Gymnasien in Hamburg wurden im Rahmen der Einführung der 8jährigen Schulzeit bis zum Abitur nur formal zu Ganztagsschulen umgewandelt, damit Hamburg die Bundesmittel (‚Bulmahn-Gelder’) zum Ausbau der Einrichtungen für das Mittagessen erhalten konnte. Mit diesem ‚Trick‘ erhielt Hamburg Geld für das Bauprogramm, ohne groß und dauerhaft in zusätzliches Personal investieren zu müssen Folglich findet die Ganztagsschule an diesen Schulen in der Regel nur im Umfang der Unterrichtszeiterhöhung in Folge der verkürzten Schulzeit an zwei bis drei Nachmittagen statt, zusätzliche Angebote sind auf Grund der knappen Personalmittel kaum möglich. Allerdings bieten die anderen Schulen seit Einführung der verlässlichen Hortbetreuung bis Kl. 8 zum 1.8.2013 auf Wunsch eine Betreuung bis 16.00 Uhr an, dazu ist eine verbindliche Anmeldung notwendig.

Das Goethe-Gymnasium ist hingegen eines der drei gebundenen und damit echten Ganztagsgymnasien in Hamburg, das eine inhaltliche Verzahnung von Unterricht, selbstständigem Arbeiten mit Hilfe und unter Beaufsichtigung (‚Hausaufgaben’/Studienzeiten) sowie Elementen der Freizeitpädagogik (sportliche, musische und Hobbykurse etc.) anbietet, um ein abwechselungsreiches Lernarrangement zu schaffen und dafür auch eine zusätzliche Personalausstattung erhält. Grundsätzlich setzen wir diese Personalmittel weniger im Hinblick auf eine sozialpädagogische Betreuung ein, sondern mit dem Ziel eines inhaltlichen Programms des qualifizierten Förderns und sich Bewegens, der Bereicherung bzw. der Beschulung. Insbesondere da bei uns viele Kurse auch deutlich länger als bis 16.00 Uhr gehen – aber auch später anfangen (!) (Chor bis 17.30, Orchester bis 19.30, Bigband bis 20.00 Uhr, Sportkurse bis 17.00 Uhr) , meinen wir, dass die starre Regelung einer Betreuung bis 16.00 Uhr je nach Wahlverhalten der SchülerInnen flexibilisiert werden muss, um die Belastung in Grenzen zu halten. Im Einzelfall ist ein Schüler also bspw. an einem Tag bis 17.00 Uhr bei uns eingebunden, an einem anderen Tag aber nur bis 15.00 Uhr – Grund dafür ist sein inhaltliches Interesse  an einem bestimmten Kurs, bei einem späten Beginn des Kurses (z.B. Bigband ab 18.00) haben die Jugendlichen ggf. auch ein paar Stunden frei.

Selbstverständlich organisieren wir im Bedarfsfall auch eine zeitlich festgelegte Betreuung, können aber aus der Erfahrung sagen, dass diese angesichts des breiten Angebots bei uns kaum nachgefragt wird. Viele SchülerInnen nutzen allerdings am Nachmittag auch die bis um 17.00 Uhr geöffnete und durch die Bibliothekarin beaufsichtigte Bibliothek.

Auch die Rhythmisierung des Angebots ist nicht mehr additiv – z.B. erst Unterricht und dann am Nachmittag Förder- oder Wahlkurse, sondern wir haben jetzt die Förder- und Expertenkurse (Begabtenförderung) in der Mittelstufe in die ersten Stunden am Dienstag gezogen, auch um den Erfolg der Förderarbeit zu optimieren.

(Auf Nachfrage organisiert das GG Informationsveranstaltungen und Fortbildungen oder über http://www.hospitationsschulen.li-hamburg.de/index.php?n=Angebote.GoetheGymnasiumGanztagsschule )

2. Warum mehr Ganztagsschule als sonst an den Gymnasien üblich?

  • Nur noch etwa 15-20% der SchülerInnen eines Jahrgangs haben eine häusliche Situation, in der eine hinreichende Betreuung und Förderung der Kinder im häuslichen Umfeld stattfinden kann – Tendenz weiter abnehmend. Dies liegt zum übergroßen Teil an der Berufstätigkeit der Eltern bzw. daran, dass die erforderlichen fachlichen Voraussetzungen bei den zuhause anwesenden Personen nicht im ausreichenden Maße vorhanden sind.
  • Für externe Hilfen (kommerzielle Nachhilfe o. ä.) fehlt in sehr vielen Fällen das Geld. Bei spezifischen Lernproblemen fehlt aber oft auch die Möglichkeit der häuslichen Diagnose, z. T. fehlt mitunter grundsätzlich die Einsicht für die Notwendigkeit und Chancen einer zusätzlichen Hilfe.
  • Selbiges gilt für jegliche Form von bereichernden Angeboten, wie die Mitarbeit in Jugendgruppen, Sportvereinen, Instrumentalunterricht etc., auf Grund der häuslichen Situation oder auch der verstärkten Inanspruchnahme bei zwei Tagen Ganztagsschule wie an anderen Gymnasien unterbleiben solche Zusatzangebote für die Kinder.
  • Das Ergebnis all dieser Punkte ist häufig, dass viele Kinder und Jugendliche ohne ein entsprechendes Ganztagsangebot in den Schulen einem relativ wahllosen Medienkonsum überantwortet werden.

Das Goethe-Gymnasium will hingegen mit seinem Angebot einerseits eine Weiterentwicklung von begabten Kindern in bestimmten Bereichen und andererseits gezielt eine Förderung von SchülerInnen mit partiellen Lernschwierigkeiten erreichen. Darüber hinaus versuchen wir durch Projektangebote z.B. im musikalischen, darstellerischen, naturwissenschaftlichen oder sportlichen Bereich (Schulmannschaften) den Kindern und Jugendlichen persönlichkeitsstärkende Identifikationsmöglichkeiten und Erfolge zu vermitteln, die sich positiv auf die gesamte Lernbiografie auswirken.

  • In die gleiche Richtung zielt auch der Beschluss des Goethe-Gymnasiums, beide Fächer Kunst und Musik bis zur 8 Klasse einschließlich als Pflichtfächer zu unterrichten, da die kreativen Entfaltungsmöglichkeiten der jungen Menschen durch die jüngst verfügte Ausweitung des ethischen Fachbereichs (Religion/Philosophie) in der Mittelstufe reduziert worden wären. Auch dies lässt sich – anders als an den anderen Gymnasien – nur durch den Rückgriff auf die Personalressourcen der echten Ganztagsschule ermöglichen.

3. Wie sieht die zeitliche Inanspruchnahme der Kinder und Jugendlichen am Goethe-Gymnasium aus?

Grundsätzlich umfasst eine gebundene Ganztagsschule eine Beschulung im Umfang von 37 Std. rechnet man das zugrunde liegende Modell einer 4 tägigen Unterbringung von 8-16 Uhr auf einflexibles System um. Das bedeutet im Einzelnen:

Zunächst haben alle den Unterricht, der laut Stundentafel des Goethe-Gymnasiums gegeben werden muss, das sind

– in der Klasse 5 insgesamt 31 Wochenstunden plus eine zusätzliche Stunde Studienzeit (zur Verminderung der langen ‚Hausaufgaben’) durch die Lehrkräfte der Klasse,

– in der Klasse 6 insgesamt 32 Wochenstunden plus eine zusätzliche Stunde Studienzeit durch die Lehrkräfte der Klasse,.

– In der Klasse 7 insgesamt 34 Wochenstunden und eine zusätzliche Doppelstunde am Dienstag für das Förder-/Expertenkursprogramm durch Lehrkräfte, in dem in den verschiedenen Langfächern der Unterrichtsstoff gefestigt wird und parallel für die begabteren SchülerInnen zusätzliche Angebote vorgehalten werden.

– In den Klassen 8-10 sind es ebenfalls 34 Wochenstunden, allerdings kommt bei der Wahl einer 3. Fremdsprache eine Stunde dazu. Zusätzlich gibt es in den Jahrgängen 8 und 9 die Doppelstunde für das Förderprogramm wie in Jahrgang 7. Im Jahrgang 10 erhalten die SchülerInnen zur Vorbereitung auf die Studienstufe aus den Personalmitteln der Ganztagsschule jeweils eine Stunde zusätzlich in Deutsch und Mathematik.

Als besonderes Kennzeichen des Goethe-Gymnasiums ist dabei in allen Klassenstufen eine eigenständige Klassenratsstunde enthalten, die in Klasse 5/6/7 von beiden Klassenlehrkräften im Team gegeben wird. Darüber hinaus haben alle von Kl. 5-12 an vier Tagen (Mo-Do) eine einstündige Mittagspause. Zusätzlich zum Ganztagsschulunterricht sind die SchülerInnen verpflichtet, an besonderen Wahlangeboten teilzunehmen, in den Klassen 5/6 sind dies 1-2 Stunden (bei besonderem Förderbedarf), in den Klassen 7-10 ist dies eigentlich noch eine Stunde. Dies wird aber in der Regel als Doppelstundenangebot vom 15.Okt – 15.April gefahren, um z.B. in den Sportkursen oder bei künstlerischen Kursen genügend Praxiszeit zu haben. Es können aber auch über die 37 Std. hinausgehend Angebote belegt werden – wenn es genügend freie Plätze gibt, was viele Kinder trotz der angeblich hohen zeitlichen Belastung durch die verkürzte Schulzeit gerne machen.

Eine besondere Rhythmisierung gibt es  für die Musikensembles wie Großer Chor, Orchester, Bigband und Kammerchor in Kl. 7-10. Da diese Gruppen schulübergreifend über alle Jahrgangsstufen proben, liegen deren Zeiten im Anschluss an die Unterrichtsblöcke, also frühestens ab 16.00 Uhr. Komplementär beginnt für diese SchülerInnen der Unterricht am Dienstag erst um 10.00 Uhr, geht dann aber bis mindestens 17.30 Uhr. Ausnahmeregelungen gibt es für SchülerInnen, die gefördert werden müssen.

4. Wie sieht das inhaltliche Konzept dieses zusätzlichen Angebots aus?

Die Ganztagsschule am Goethe-Gymnasium versucht, Bereicherung und Förderung sowie Bewegung, Kreativität und Engagement in einem zuverlässigen und dennoch flexiblen Modell zu verbinden. Mit den knappen Mitteln, die die Politik den Schulen bewilligt (s. u.) heißt dies im Einzelnen:

  • Kursprogramm für die Mittelstufe:
    Alle SchülerInnen sind gehalten, mindestens 37 Wochenstunden zu absolvieren. Dieses wird erreicht durch 34 oder (bei Wahl der dritten Fremdsprache 35) Unterrichtsstunden sowie durch Belegung einer entsprechend verbleibenden Stundenzahl in Form von frei wählbaren Kursen.
  • Kurs- und Betreuungsprogramm für die Unterstufe:
    Die Hinführung auf die Ganztagsschule in der Beobachtungsstufe erfolgt schrittweise, die SchülerInnen sind verpflichtet 33, bei größerem Förderbedarf auch 34 Wochenstunden und zusätzlich 4 Stunden in der Mittagspause an der Schule zu verbleiben.
  • Anrechnung der Stunden für schulübergreifende Ensembles im Musikbereich:
    Auf die Belegverpflichtung in den Klassen 5-10 werden die Stunden in den stufenbezogenen oder jahrgangsübergreifenden Musikensembles angerechnet.
  • Anrechnung von Instrumentalunterricht:
    Die Schule organisiert Instrumentalunterricht in den Räumen der Schule, verleiht dazu im Bedarfsfall die Instrumente und organisiert Zusatzangebote (Orchester für Minis) zur Integration des Nachwuchses in die Ensemblearbeit. Der Einzelunterricht wird von den Eltern finanziert, im besonderen Bedarfsfall ist ein Zuschuss durch Schulverein oder Stiftungen möglich.
  • Anrechnung für die Zugehörigkeit bei Schulmannschaften:
    Ähnlich wie im Musikbereich werden Schulmannschaften regelmäßige Trainingszeiten außerhalb des Regelunterrichts haben oder zu Wettkämpfen während der Schulzeit freigestellt werden. Dafür wird die Trainingszeit auf die Belegverpflichtung angerechnet, in der Regel eine Doppelstunde ab 16.00 Uhr – wie früher im Sportverein.
  • Defizitförderung:
    In den Klassen 5 und 6 werden Kleinstgruppen nach Testungen und Einschätzungen der Fachlehrkräfte gebildet, die in bestimmten Kernfächern Förderbedarf haben. Unterrichtet werden diese SchülerInnen durch LehramtsstudentInnen oder angeleitete und gecoachte OberstufenschülerInnen aus dem Lernfeld Pädagogik. Es wird nur in maximal zwei Kernfächern gefördert. Der Förderunterricht hat Vorrang vor den Wahlangeboten im Freizeitbereich, nur bei entsprechenden zeitlichen Möglichkeiten kann beides belegt werden. In den Klassen 7 bis 9 wird die Defizitförderung zur Behebung von basalen Problemen (z.B. Rechtschreibung) in Zusammenarbeit mit den Fachlehrkräften der Stufen und nach entsprechenden Testungen dann durch Lehrkräfte durchgeführt.
  • Begabtenförderung:
    Nach Auswahl von geeigneten SchülerInnen durch die entsprechenden Fachlehrkräfte werden in den Klassenstufen 5 und 6 sowie 7 – 10 so genannte ‚Expertenkurse’ eingerichtet, in denen gezielt Begabungsförderung, z.B. durch Wettbewerbsteilnahme stattfindet. Diese Stunden werden durch Lehrkräfte gegeben. Gegenwärtig gibt es in den Klassen 7-10 8 Profikurse (Mathe, NaWi, Geoinformatik, Robotik, Kurzfilm, Geschichtswettbewerb, Profiklettern, Theater und Geschichte) In den Klassen 5/6 gibt es 3 Profikurse.
  • Hausaufgaben – Betreuung für die Beobachtungsstufe:
    Nach schlechten Erfahrungen an der eigenen wie auch an anderen Schule(n) mit offenen Angeboten (Besuch geht gegen Null) werden auf Grund der Nachfrage der Eltern verbindliche und verlässliche Betreuungskurse eingerichtet, so dass die Eltern mit den Kindern zusammen die Tage festlegen können, an denen sie bis 16.00 Uhr in der Schule verbleiben. Dies geht aber nur bei einer gewissen Mindestteilnahme und ist dann verbindlich für ein halbes Jahr. Im Vordergrund steht die Betreuung von Hausaufgaben, es ist aber auch möglich zu lesen oder mit den MitschülerInnen Gesellschaftsspiele zu spielen. Diese Betreuungskurse sind stark nachfrageorientiert ausgerichtet – aufgrund des qualitativ überzeugenden Ganztagsangebots der Schule gibt es derzeit kaum Bedarf.

Mit dieser Angebotspalette erhalten SchülerInnen und Eltern eine Gestaltungsmöglichkeit der ganztägigen Schule, so dass zwar der vorgeschriebene Rahmen erfüllt wird, innerhalb des Angebots aber die Möglichkeit besteht, z.B. einen freien Nachmittag (zusätzlich zum Freitag) zu haben, um anderen Aktivitäten auch im familiären Kontext nachgehen zu können. Beschränkend ist dabei nur die Lage von besonders attraktiven Kursen oder die Fördernotwendigkeit bei bestimmten Lernrückständen.

5. Wie sehen die Stundenpläne der Kinder und Jugendlichen aus?

Das hängt sehr von der Klassenstufe und vom Wahlverhalten ab. In der Regel haben die SchülerInnen drei durch Unterricht bestimmte lange Tage, in der Klasse 5/6 gehen diese bis 15.05 Uhr, in der Klasse 7-10 gehen diese bis 16.00 Uhr. Die Möglichkeit am Kursprogramm teilzunehmen, besteht dann jeweils an den beiden anderen Tagen. Förderkurse liegen im Anschluss an das Unterrichtsprogramm oder für Kl. 7-9 am Di in den ersten beiden Stunden. Am Freitag ist in der Regel nach der 6. /7. Stunde (letzteres für alle in den Jahrgängen 7-10) ohne Mittagspause Schluss. Allerdings liegen hier anschließend verpflichtende Förderkurse für die wenigen SchülerInnen ab Kl. 7, die in anderen Fächern als den Kernfächern nicht ausreichende Leistungen erzielt haben – durch Leistungssteigerung kann man diese Auflagen beenden.

6. Wie sehen die finanziellen Bedingungen einer solchen Ganztagsschule aus?

Anders als die ‚normalen’ Gymnasien erhält das Goethe-Gymnasium zwar weitere Personalmittel für die zusätzliche Unterrichtung und Betreuung, allerdings ist nach den Sparhaushalten des Hamburgischen Senats zwischen 2002 bis 2005 auch die personelle Ausstattung von Ganztagsschulen drastisch reduziert worden. Von den zusätzlich zu gebenden Stunden sind somit nur noch 40% durch Lehrkräfte finanziert, der Rest durch Honorarkräfte bzw. Sozialpädagogen. In Hamburg gibt es von diesem neuen Typ gegenwärtig nur zwei Gymnasien, nämlich das Kurt-Körber-Gymnasium in Billstedt und das Goethe-Gymnasium in Lurup. Ein weiteres Ganztagsgymnasium (Klosterschule) ist noch nach der alten Form deutlich besser finanziert, soll aber schrittweise auf den gleichen Stand abgeschmolzen werden.