Geschichte

Ziele des Fachs

Der Geschichtsunterricht am Goethe-Gymnasium hat zum Ziel, unseren Schülern und Schülerinnen dieses fremde Land Vergangenheit auf eine Weise näher zu bringen, die sie anregt, Fragen an die Vergangenheit zu stellen und in der Auseinandersetzung mit oft widersprüchlichen oder unsicheren Antworten in mehrerer Hinsicht ihre Toleranz und ihr Urteilsvermögen zu schulen.

„The past is a foreign country. They do things differently there.“
(Die Vergangenheit ist ein fremdes Land. Dort gelten andere Regeln.) 

L.P Hartley

Den Schüler begegnen fremde Werte und Ideale, die sie irritieren oder faszinieren, abstoßen oder ihre Bewunderung erregen (die alten Griechen rechtfertigen die Sklaverei und erfinden die Demokratie, der mittelalterliche Dichter zelebriert im Nibelungenlied die Liebe und den Tod, Martin Luther kämpft für die Gewissensfreiheit und befürwortet das Niederbrennen von Synagogen). Dadurch werden sie zu einer Auseinandersetzung mit ihren eigenen Wertvorstellungen und denen ihrer MitschülerInnen angeregt und in diesem Prozess können sie am Beispiel der Vergangenheit üben, Fremdheit wahrzunehmen, sich mit ihr auseinanderzusetzen und die eigenen Einstellung zu ihr kritisch zu begründen. Auf diese Weisen, so hoffen wir, ermöglicht es der Unterricht unseren SchülerInnen im besten Sinne des Worte aus der Geschichte für ihre nicht minder widersprüchliche Gegenwart zu lernen.

Das Fach in den Stufen

Die herausfordernste Eigenart des Faches Geschichte ist die Tatsache, dass unser Unterrichtsgegenstand nicht existiert und somit nicht für Besichtigungen oder Experimente verfügbar ist. Diesem Mangel an sinnlicher Erfahrbarkeit versuchen wir mit Hilfe eines möglichst anschaulichen und altersangemessenem Unterrichts zu begegnen.

In der 6. und 7. Klasse steht dabei die Alltagsgeschichte unserer Vorfahren im Vordergrund, um den Schülerinnen und Schülern möglichst oft persönliche und handlungsorientierte Zugänge zur Geschichte zu ermöglichen. Ob dies die Erforschung der eigenen Familiengeschichte oder ein Besuch im Umweltzentrum Karlshöhe ist, um dort vor Ort unter Anleitung eines Experimentalarchäologen die Lebenswelt der Altsteinzeit nachzuempfinden – das Ziel ist es, dass die Kinder Wissen über die Vergangenheit nicht nur „lernen“, sondern es auf eine ganz handfeste Weise als Konstruktion der Gegenwart begreifen. Sie gestalten das Plakat zu Familiengeschichte und sie verstehen die Herausforderungen an die Steinzeitjäger, indem sie im Hier und Jetzt z.B. auf Steinzeitart jagen und Nahrung zubereiten.

In der 9. und 10. Klasse steht dann die Heranführung der Schüler an den ansatzweise wissenschaftlichen Umgang mit Geschichte in der gymnasialen Oberstufe im Mittelpunkt. In zunehmenden Maße spielt daher die Arbeit mit Quellen eine zentrale Rolle im Unterricht. Ziel ist es hierbei, ein Bewusstsein bei unseren SchülerInnen anzubahnen, dass die Darstellung historischer Entwicklungen und Ereignisse auf der Interpretation von Quellen beruht und daher bei aller Bemühung um Objektivität zwangsläufig subjektiv gefärbt ist. Entsprechend gilt es, Schülern anschaulich Einblick in diesen Prozess wissenschaftlichen Arbeitens zu ermöglichen, indem wir Zeitzeugen zu Vorträgen und Lesungen einladen oder mit den SchülerInnen das Staatsarchiv Hamburg aufsuchen.

Sally Perel (Hitlerjunge Salomon) mit Goethe-Schülerinnen
Sally Perel (Hitlerjunge Salomon) mit Goethe-Schülerinnen

In der Oberstufe können Schüler und Schülerinnen Geschichte dann entweder als Wahlkurs oder im Rahmen des Profils „KlangWeltBild“ belegen. Während bei beiden die Vertiefung abitur- und studienrelevanter Kompetenzen wie Analyse, Recherche und Präsentation in den Fokus rückt, tritt im Falle des Profilkurses noch eine zusätzliche Auseinandersetzung mit der historischen Dimension der profilgebenden Fächer hinzu.

Über alle Jahrgangsstufen und die entsprechenden methodischen und inhaltlichen Überlegungen hinweg behält eine Einsicht unseres Namenspatrons dauerhaft Gültigkeit:

„Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt.“ 

Johann Wolfgang von Goethe