Konzert Musik News 2013

Schulorchester verzaubert die Luruper Bürger mit Mendelssohns Sommernachtstraum

Ein unheimliches, tückisch lauerndes Motiv, das sich im Schutz der tiefen Streicher anschleicht und dann: hoppla, jetzt komm ich, mit breitem Ganovengrinsen überfallartig auf die große Bühne springt. Und gut fünfzig junge Musikerinnen und Musiker samt Dirigentin ohne jede Gegenwehr in seine Gewalt bringt. Und was machen die derart Überwältigten? Etwas salopp gesagt: sie geben musikalisch Gummi, dass man nicht erstaunt wäre, wenn gleich ein veritabler Film-Bösewicht um die Ecke böge. Mit Monti Normans Titelthema aus den James-Bond-Filmen hatte das Orchester des Goethe-Gymnasiums einen echten Hallo-Wach-Knüller als Eröffnung seines diesjährigen Sommerkonzertes gewählt. Das Publikum im voll besetzten Forum des Luruper Gymnasiums war sofort ganz Ohr.

Das war auch ganz gut so, denn sonst hätte es glatt die Eroberung des Paradieses verpasst. Einstudiert von Dagmar Narbèl und gewohnt präzise in der rhythmischen Spur gehalten vom fabelhaften Schlagzeuger Christian Vogts, verabschiedeten sich die fünf Abiturienten Sonja Lübeck und Sören Meyer (beide Violine), Lukas Kromer (Trompete), Viviane Burmester (Violoncello) und Lisa Kielstein (Klavier) mit einer weiteren Filmmusik von ihrem Schulorchester. Auch in dieser reduzierten, kammermusikalisch intimen Version kam die Wucht von Vangelis‘ Musik zu Ridley Scotts  Conquest Of Paradise angemessen zu Gehör.

Ehe man sich endgültig vom Lächeln einer Sommernacht verzaubern lassen durfte, hatten das Orchester und der Solist Nima Assadollahi Ali noch etwas für die Beine auf ihren Notenpulten liegen. Wäre genügend Platz vorhanden gewesen, und hätte man gewusst, wie man einen Csárdás tanzt – beim Csárdás für Violine und Orchester von Vittorio Monti hätte man eine feurige Sohle aufs Parkett legen können.

Aber dann. Dann kam Puck. Und in seinem Gefolge Titania, Oberon, zarte Elfen
mit Blumenkränzen im Haar, die herrlich vertrottelten Handwerker, der Esel, der Löwe und der Mond mit seinen Sonnenstrahlen. Man kann die Orchesterleiterin Astrid Demattia zur großartigen Idee, Felix Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik zu Ein Sommernachtstraum mit den dazugehörigen Sprechszenen aus Shakespeares Komödie aufzuführen, nur beglückwünschen.

Natürlich wäre Mendelssohns unsterbliche Musik mit der genialen Ouvertüre, dem derben Rüpeltanz, dem verträumten Notturno und dem berühmten Hochzeitsmarsch für sich allein ein glanzvoller Programmpunkt eines Schulkonzertes. Das hervorragend vorbereitete und äußerst konzentriert musizierende Orchester zeigte sich der besonderen Herausforderung dieser alles andere als verschlafenen Musik bestens gewachsen und musizierte schlicht hinreißend. In Kombination mit den von Marie Coring einstudierten Dialogszenen, die mit sparsam eingesetzten Kostümen und Requisiten sowie stets passend dosierter Komik für viel Heiterkeit sorgten, gerieten die famos musizierten Musiknummern zur Sternstunde, deren Charme sich niemand im Publikum entziehen konnte.

Selten sah man nach einem Schulkonzert so viele beschwingte Besucher mit einem verzauberten Lächeln auf den Lippen. Und ist man schon jemals so liebenswürdig spitzbübisch um Applaus gebeten worden wie von Ingvar Neubauer, diesem Kobold in kariertem Hemd und Lederhose, der das Schlamassel erst angerichtet und dann zum frenetisch beklatschten guten Ende geführt hat?